Buchmesse 2011

Erster Tag

Aufregend war’s und gar nicht so voll – lag aber sicher an den hallen, in denen ich mich rumgetrieben habe. Mein Schwerpunkt: e-book. Was habe ich gesehen?
Eine ganz nette Präsentation von einem englichen Unternehmen, dass e-books herstellt und viel in den USA macht. Der Redner war begeistert, dass alle (geschätze) 30 Stühle voll waren.
Eine Podiumsdiskussion von einem Verlagsmensch von Hoffmann & Campe, einem Spiegel Buchkritiker, einer Buchhändlerin und dem Diskussionleiter vom Handelsblatt zum Thema ‚Mainstream‘ und ob bei der Unterstützung der Blockbuster nicht einiges auf der Strecke bleibt.
Da ich diese Diskussion im Anschluss an die erste Präsentation gesehen habe, fiel mir enorm auf, wie sehr hier über Blödsinn diskutiert wird. Ich hatte das gefühl, dass der Markt irgendwann demnächst wo anders stattfindet. Jedenfalls wurde hier erklärt, dass Übersetzungen Geld kosten, aber Leute wie Charlotte Roche und Thilo Sarazin eigentlich kaum Marketing-Budget bekommen. Sollte die Diskussion nicht eher lauten: warum findet Sarazin einen Verlag, aber ein ehrlicher Wissenschaftler mit fundierten Forschungsergebnissen und Recherchen keinen? Weil man von Anfang an glaubt (und das wurde hier tatsächlich verneint), dass hier das Geld zu holen ist – und Bingo! So war es ja auch. Selbstgestalter wie Sarazin, Roche oder Bohlen werden sich immer verkaufen. Und das ist leider die Wahrheit. Literarisch oder fachlich kann mann hier die Krise bekommen.
Danach war ich noch beim Twittwoch. Hier wurden im 15-Minuten-Takt Projekte vorgestellt.
Eventuell besonder interessant für Blogger: Blogg dein Buch. Hier kann man sich als Blogger bewerben und kostenlose Bücher zum rezensieren erhalten.
Außerdem war Florian Meimberg, Preisträger des Grimme Online Awards 2010 da. Er schreibt auf Twitter @tiny_tales Kurzgeschichten mit 140 Zeichen – und er hat einen bösen Humor! Gibt’s nun auch als Buch. Auf jeden Fall zu empfehlen!
Das Projekt 5 Bücher ist ein Blog, in dem eingeladenen Gäste ihre 5 liebsten Bücher vorstellen und auch begründen, wieso sie diese so mögen.
Bookrix und LovelyBooks waren auch vertreten.
Und dann waren meine Kopfschmerzen zu übel – da bin ich dann auch mal Heim.
Morgen mehr!

Zweiter Tag

Zumindest war morgens die Luft besser – dafür die Hallen voller …
Von der Manga/Comic-Abteilung bin ich etwas enttäuscht. Die war vor einigen Jahren noch größer (und bunter).
Ansonsten habe ich mir einen Vortrag von Bookrix CEO angehört: ‚2011: jeder ist ein Autor. Jetzt haben wir den Scheiß!‘ – Ja, so isses denn wohl. Wer braucht schon einen Verlag, der ihn offiziel als Autor deklariert. 🙂
Danach bin ich nur so durch die Hallen gelaufen und habe den Johann Lafer gesehen.
Ich ahbe mir die 3. Variante zu Crowdfunding angehört und bin jetzt zwar schlauer, aber ob ich überzeugter bin, weiß ich noch nicht.
Es waren sicher auch Autoren unterwegs, aber die erkennt man ja nicht….
Morgen geht’s dann weiter …
Und am Wochenene werde ich meine Fotos zu einer Slide-Show zusammenpacken und auf YouTube hochladen.

Dritter Tag

Es wird von Tag zu Tag voller und irgendwie habe ich nicht das Gefühl, dass das Fachpublikum heute noch die Mehrheit ausgemacht hat. Aber vielleicht bin ich ungerecht und heute was der Tag der Bibliothekare und Lehrer, Kindergärtner und wer auch immer als Fachpublikum gilt. Und das sage ich: unpublizierter Autor …

Egal – heute hatte ich eine Unterhaltung mit einem Verleger (yeah!) und habe mir einige Diskussionen angeschaut.
Der Verleger war wirklich nett. Scheinbar weil er von einem kleinen Fantasy-Verlag war und selber immer nur belächelt wird – wegen Fantasy und der Größe des Verlags. Fantasy ist halt nicht ernste Literatur … ja, klar. Alle wollen Kohle damit machen, aber anerkennen – wozu?

Verlage wollen uns erklären, dass sie Mehrwert haben, weil sie den Buchhandel bewerben und Lektorierein, Titel finden, Covers Layouten, etc.
Keine fünf Minuten später findet man bei einem wahllos herausgenommenen Buch 2 Rechtschreibfehler im Klappentext. Und wer will heute noch was über Layout erzählen, wenn man die tollen Sachen sieht, die man mit Photoshop machen kann – und das von ’nicht-professionellen‘ Leuten. Lektorat ist sicher wichtig, aber mir rollt es in letzter Zeit die Zehennägel auf, wenn ich in Bücher schaue und mir den Stil anschaue. Von den trotzdem noch vorhandenen Grammatik- & Rechtschreibfehlern wollen wir nichts sagen.
Klar machen zurzeit e-Books nur 1% des Umsatzes aus – aber das wird sich ändern. Jetzt wo Hugendubel und Weltbild einen e-Reader für 60 Euro anbieten. Ich denke, wenn man den Job gut macht, dann sind Verlage eine tolle Sache – aber machen sie ihre Arbeit noch gut? Alle bestimmt nicht – aber auch hier gibt es Ausnahmen.

Ich habe eine Diksussion mit Nele Neuhaus gesehen – auf der heute rausgekommenen Spiegelliste ist sie mindestens 5 mal unter den Top 20. Angefangen hat sie im Selfpublishing, noch mit Büchern und Selbstversand. Nachdem sie Erst-Auflagen von 5000 Büchern hatte und die auch verkauft bekommen hat, kam dann ein Verlag auf sie zu. Da sie gerade an ihre Grenzen mit der gesamten Logistik gekommen ist, war sie dankbar den ganzen administrativen Mist abgeben zu können. Allerdings finanziell war es keine Verbesserung. Auch wenn sie jetzt Bestseller-Autorin ist.

Noch ein paar Zahlen: 30-100 eingesendete Manuskripte pro Verlag pro Woche – 0,5 Bücher pro Verlag pro Jahr werden aus diesen eingeschickten Manuskripten gemacht. Der Rest entsteht durch Agenten, Verbindungen, XIng (äh… oookaaay) und in dem der Verlag Leute (Schauspieler, Reporter und bekannte Leutchen) anschreibt. (So kam dann auch Philipp Lahm zu seinem unglücklichen Buch – hat er es überhaupt gelesen? Scheinbar nicht!)

Aber die Verlage sehen sich immer noch als Sieb für Qualität in jede Richtung: Inhalt, Sprache, Stil …
Hören die sich selber zu? Lesen sie ihre eigenen Bücher?

Bin ich einfach nur eine Meckerziege? Kann gut sein!

Morgen gehe ich mit meinem Sohn hin und werde mich dann mal entspannt zurücklehnen.

Vierter Tag & Resümee

Ich habe jetzt doch noch etwas Pause gebraucht, bevor ich den 4. Tag hier verewige.
Es war VOLL – unglaublich voll. Überall quirlten Kinder und Jugendliche. Und die Manga-Fans. Bunte Kostüme an jeder Ecke, obwohl es kaum Stände gab. Vor 3 Jahren gab es da noch mehr Stände. Aber vielleicht haben die Japaner dieses Jahr auch andere Probleme, wie auf die Buchmesse zu reisen. Auf der anderen Seite hatten die Manga-Stände europäisches Personal – das kann an sich schon ein Dämpfer sein.
Wir haben mit einer Diskussionsrunde der Gewinner des Kinder- und Jugendbuchpreises angefangen. Die Bücher und die Autoren waren eindeutig cool. Aber die Tante, die das Interview geführt hat war … nun ja … lahm. Seit wann führt man Interviews mit einer Gruppe, in dem man allen Leuten der Reihe nach die gleiche Frage stellt? Oder besser: seit wann macht man das nicht mehr so?
Das Ambiente war aber unglaublich: jeder sollte mal kurz ins Lesezelt der Buchmesse. Das ist ein altes Zirkuszelt mit Holz-Logen und Kronleuchter. Wie aus dem Film/Buch ‚Mitternachtszirkus‘.
Danach sind wir durch die Halle 3.0, weil dort die Kinderbücher vertreten waren. Warum ich den Stand von Beltz & Gelberg nicht mehr gefunden habe, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Die hatten nämlich schöne Warrior Cats Buttons, die mir meine Bekannten für meinen Sohn mitgebracht hatten.
Wir haben uns dann Derek Landy und Rainer Strecker angeschaut: Interview und Lesung von Skulduggery Pleasant 5. Derek Landy ist wirklich so, wie er schreibt. Und die Hörbücher müssen der Knaller sein, weil Rainer Strecker sich wirklich Mühe gibt für jeden eine passende Stimme zu haben.
Die Hohlbeins waren auch da und haben signiert. Für mich immer wieder das Highlight, weil Wolfgang Hohlbein mein persönliches Idol ist. Er hat vielleicht nicht immer die tollsten Geschichten geschrieben, aber er hat eine ganz eigene Art Dinge zu beschreiben und Action in Bücher zu bekommen. Und er hat als einer der ersten eine Verfolgungsjagd durch Köln beschrieben – was ich damals viel cooler fand, als New York oder so was. Weil ich in Köln eben schon mal war. Seither hat das ja auch zugenommen: regional Krimis und ähnliches sind ja nun ganz normal.
Und dann sind uns die Leute so auf den Geist gegangen, dass wir uns von der diesjährigen Buchmesse verabschiedet haben.

Resümee für mich: ich werde nächstes Jahr ins Selfpublishing mit meinen Stories gehen. Bis ich einen Verlag gefunden habe, das kann Jahre dauern. Ich würde lügen, wenn ich sage, ich würde nicht gerne Geld mit meinen Geschichten verdienen, aber letztendlich möchte ich, dass sie gelesen werden. Und nicht erst in drei Jahren oder nie – wenn ich keinen Verlag finde.
Aber jetzt geht es erst einmal wieder ans Schreiben. Schließlich muss die Geschichte fertig sein – ob ich sie im Selbstverlag (als eBook) rausbringe oder an einen Verlag schicke.

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