Fanfiction, Remixes und geistiges Eigentum

In der großen Diskussion um geistiges Eigentum wird viel gesagt – nur eben noch nicht von mir. Daher heute: mein Beitrag dazu.

Ich weiß nicht, wie viele von euch Cassandra Clare kennen. Sie hat mittlerweile 2 Serien geschrieben und ist eine erfolgreiche Autorin von Urban Fantasy im All Age Sektor.

Angefangen hat sie, neben ihrem beruflichen Arbeiten als Klatschkolumnistin, mit Harry Potter Fanfiction. Ihre Draco Serie ist in den USA scheinbar ein Klassiker unter den HP FFs.

Nun wurden ihr tatsächlich zwei Dinge vorgeworfen – wahrscheinlich mehr, aber ich habe das alles auch nur am Rande mitbekommen – daher hier die zwei Vorwürfe:

1. Sie hat in ihren Fanfiction-Stories einiges geklaut.

2. Ihre Bücher seien ihre umgeschriebenen Fanfiction Bücher

Zu 2. kann man nur sagen: lest beides, dann sieht man, dass das nicht stimmt. Natürlich haben die Charaktere ähnliche Züge – aber mal ehrlich: wieviele unterschiedliche Charaktere gibt es denn in der Fantasy-Literatur? Da könnte man sagen, sie hat ihre Draco von Davod Eddings Figur Silk geklaut – und wer weiß, woher der wiederum die Idee zu einem smarten, arroganten Bad Guy mit Herz hatte?

Und ich habe Bücher von FF-Autoren gelesen, die mehr oder weniger wirklich nur die Namen ausgetauscht haben. Das ist aber gelegentlich auch vollkommen in Ordnung. Denn, wer liest schon FFs? Und wenn die Geschichte gut ist und übertragbar, dann hat der Autor (als Eigentümer des geistigen Eigentums) doch das recht, es dem breiten Publikum zugänglich zu machen und damit das Geld zu verdienen, sich ein gescheites Autoren-Programm zu kaufen oder zumindes mal Eis essen zu gehen.

Zu 1. kann man sich nur wundern … Ich habe pdf-Versionen von ihren Geschichten und da sind Seitenlange Querverweise angehängt, welche Satz aus anderen Federn stammt. Da ist viel Buffy dabei und einiges andere einschlägige.

Aber mal ehrlich: wie weit muss man denn nun in einer Fanfiction gehen? Sind wir da schon so weit, wie bei Herrn von und zu Gutenberg? Gut, der Gute hat es dann auch übertrieben. Oder er hatte das Pech, dass er zu bekannt wurde und damit erwischt wurde. Ich habe selbst meine Zeit an der Uni verbracht und kann dazu nur sagen: er ist nicht der einzige und wird sicher auch nicht der letzte sein, der sowas gemacht hat.

Aber trotzdem: hat nicht jeder von uns (bewußt oder unbewußt) schon mal Plagiat betrieben? Erst recht, wenn man eine FF schreibt? Der Satz: ‚emotional range of a teaspoon‘ ist wohl derjenige, der am häufigsten in allen Sprachen auftaucht. Und mit Sicherheit nicht nur in Harry Potter FFs. Da ist er wohl dann auch erlaubt, weil JK Rowlings das Spielen mit ihren Charakteren erlaubt hat. (Das Übersetzen des englischen Buches in Französisch hat sie oder ihren Verlag dann doch gestört und man hat dafür einen Schüler in Frankreich angezeigt … )

Und was heißt überhaupt geistiges Eigentum? Fluffy? – Gehört in die griechische Mythologie. Der Regenschirm von Hagrid? Ist das nicht Mary Poppins? Das fliegende Auto? Ist das nicht auch etwas von Disney? Könnte man dahinter nicht das fliegende Bett der Hexe sehen (wenn mir der Titel zu dem Film noch einfallen würde …) und das ist erst der Anfang …

Natürlich soll man nicht ungestraft Geld mit geklautem gesitigen Eigentum verdienen. Das ist mies! Aber wie viel von der gegenwärtigen Diskussion geht denn hier um ‚geistiges Eigentum‘ des Einzelnen und wie viel darum, dass Firmen ihren Marktanteil davonschwimmen sehen?

Zum Thema geklautes, geistiges Eigentum rege ich mich immer wieder über den Song ‚Don’t wanna go home‘ von Jason Darulo auf. (Und nicht, weil ich ihn schlecht finde!) Klar, wer den Song hört, kennt Harry Belafonte sicher nicht (und der hat das auch schon geklaut, wenn  ich mich recht erinnere). Aber der Rest vom Lied ist auch 1:1 abgekupfert. Aber das scheint in Ordnung zu sein … Muss man nur dreist genug sein? Die richtige Plattenfirma im Rücken haben?

Beispiel aus der Literatur – und das finde ich persönlich das allerletzte! –

Jeder kennt ‚Die 3 Musketiere‘ von Alexandre Dumas. Keiner wird anzweifeln, dass das Buch von Dumas stammt. Oder?

Jedenfalls wurde ein Film gedreht. Nun war die Geschichte den Hollywood-Hanseln nicht spektakulär genug und man hat die Geschichte abgewandelt. Macht man ja gerne in Hollywood. Jedenfalls ist dann ein Buch nach dem Drehbuch geschrieben worden und voila: ‚Die 3 Musketiere‘ sind nun nicht mehr von Alexandre Dumas, sondern von irgendeinem anderen. Sowas ist Fanfiction auf einem Niveau, da kann man nur staunen und neidisch sein – denn hier wird Geld verdient!

Nun gut, Dumas wird das nicht mehr Ärgern, aber trotzdem: hier wird dann wieder in Literatur gepfuscht und das finde ich fast noch schlimmer!

Das gleiche ist wohl mit ‚Die rote Zora‘ passiert und einigen anderen Büchern, die verfilmt wurden. Kann man den Autoren nur raten: lest die verflixten Verträge besser durch und setzt eine Klausel rein, die sowas verhindert. Ehrlich: das will doch keiner lesen!!!

Hier einige Links zu dem Thema – nicht literarische allerdings:

Everything is a Remix

The Life of Edison in 3 minutes – der Gute hat nämlich auch nie etwas erfunden, sondern nur verbessert – also einen Remix gemacht oder gecovert oder … erstaunlich, wie viele Wörter es dafür gibt und zumeist englische ….

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