Die Legend-Trilogie von Marie Lu: Fallender Himmel, Schwelender Sturm und ???

Marie Lu Book CoversIch hatte erst einen Sampler zu ‚Legend‘ und ‚Prodigy‘ gelesen, um zu sehen, wie die Geschichte so wird.
Zwischen den beiden Ausschnitten aus den Büchern war ein Interview mit der Autorin. Ich muss gestehen, ich lese so was normalerweise nicht, aber mein Blick verfing sich an der Überschrift ‚China’s view‘. Ich hatte den Namen der Autorin nicht wirklich wahr genommen, aber da habe ich dann doch noch mal geschaut. Marie Lu ist in China geboren und kurz nach dem Massaker am Platz des himmlischen Friedens in die USA ausgewandert. Zwar war sie damals noch ein kleines Mädchen, aber sie hat sicher mehr Einsicht in die chinesische Mentalität und Politik, als ich und das hat mich letztendlich überzeugt. Ein Buch über eine Diktatur von einer Person verfasst, die eine solche am eigenen Leib erfahren hat, hat sicher einen anderen Ton, als von einem gänzlich freien Schriftsteller. Das wird vor allem im dritten Teil deutlich. Hier wird viel über den ‚Primo Electo‘ erzählt und wie diese Art von Regierung funktioniert. Etwas, was von einem westlichen autor sicher nicht so dargestellt würde, weil man einfach damit aufwächst, dass eine Diktatur – egal, wie offen der Herrscher sein mag – grundsätzlich nichts Gutes ist. Hier sieht man zwar, dass die Leute Angst vor dem Diktator haben, aber wenn der seine Macht dazu nutzt, die anderen Regierenden im Zaum zu halten, statt die Bevölkerung zu unterdrücken, dann kann das System irgendwie funktionieren. Interessant, aber nichts, was man zu Hause nachmachen sollte. 🙂

Legend: Fallender Himmel

June ist 15 und ein Wunderkind. Sie hat mehrere Jahre übersprungen und ist in der Abschlussklasse der Militärakademie. Da sie kaum Freunde hat, verbeist sie sich in die Schule und erreicht Höchstleistungen, aber nicht immer im Rahmen des Unterrichts.
Als ihr älterer Bruder bei einem Routine-Einsatz des Militärs getötet wird, erhält sie den Abschluss sofort und darf den Mörder suchen: Day, den legendären Rebellen
Day ist ebenfalls 15 und lebt auf der Straße. Seine Familie lebt in einem Armenviertel, in dem es außerdem noch eine Seuche gibt. Er bricht im Krankenhaus ein, um Medizin zu stehlen und dabei trifft er auf Junes Bruder und wirft ein Messer nach ihm.
June findet undercover Day und obwohl sie ihn mag, liefert sie ihn der Staatsgewalt aus.

Was mir gefallen hat:
Während June in den Militärgebäuden ist, werden nebenher einige Aufständische gefoltert. Das stört sie gar nicht – sind ja Landesverräter. Diese Einstellung ändert sich, nachdem sie mal ‚auf der anderen Seite‘ gelebt hat.
Generell erklärt die Geschichte mit wenigen Bildern, wie die priviligierte June, die alles glaubt, was man ihr erzählt, obwohl sie logischer Denken kann als die meisten, langsam dahinter kommt, dass man sie belogen hat. Und mit ihr das ganze Land.

Was mir nicht gefallen hat:
Wenn man den beiden das Alter von 18 gegeben hätte, wäre das weitaus glaubwürdiger.
Ich habe bei anderen Kritiken gelesen, dass die abwechselnde Sichtweise kaum zum Tragen kam, weil die zwei Protagonisten fast gleich denken und handeln, samt ihrer Sportlichkeit. Das stimmt schon, fand ich aber weniger störend. Im hinteren Teil des Buches wird dann ja auch erklärt, dass beide den Einstufungstest mit voller Punktzahl bestanden haben, was ja darauf schließen lässt, dass sie sich ähnlich sind.

Legend 2: Schwelender Sturm

June und Day werden von der Widerstandsgruppe, den Patrioten aufgenommen. Gleichzeitig stirbt der alte Primo Elektor und sein Sohn Anden gelangt an die Macht. Daher ergibt sich die Aufgabe für June und Day: sie sollen Anden töten. June wird zurückgeschickt, um Anden in die Falle zu locken und Day soll bei Aktionen der Patrioten auftauchen und seine eigene Legende weiterschreiben.

Die zentrale Frage des Buches ist: Revolution von innen oder durch äußere Gewalt – was ist der bessere Weg für die Republik?
Ich finde das Thema sehr gut bearbeitet, weil man beide Seiten verstehen kann und es keine einfache Antwort gibt. Und wenn die Veränderung von Innen kommt – was passiert mit den Politikern der Vergangenheit? Aber so weit ist die Republik noch nicht. Noch ist sie intern zerissen: der Senat will keine Neuerungen, Anden schon. Ohne Junes und Days Unterstützung, um das Volk auf seine Seite zu bekommen kann der Elektor primo sich nicht durchsetzen. Welche Rolle spielen die Patrioten und wer gewinnt den ewigen Krieg?

Legend 3: deutscher Titel noch unbekannt

Das Buch beginnt damit, dass Day von June persönlich, nach monatelanger Funkstille zwischen den beiden zu einer Veranstaltung gebeten wird, weil Anden ihn braucht. Einmal mehr ruft die Republik und Day folgt für June.
Die Kolonien drohen damit die Verhandlungen mit der Republik abzubrechen, weil hinter der Grenze ein Virus ausgebrochen ist, der von der Republik stammt und Days Bruder ist Patient Zero, der zur Herstellung eines Heilmittels benötigt wird, sonst greifen die Kolonien mit ihrem Aliierten Afrika an.
Day gefällt der Gedanke gar nicht, dass er seinen Bruder zurück in die Hände der Ärzte und Forscher geben soll.

Ein Highlight des Buches war Junes Besuch in Antarctica – ein anderes Land. Während die Kolonien von 4 Firmen beherrscht werden und sich alles um Geld und Macht dreht, ist Antarctica eine wahrgewordene Version der Sims. Alle Bewohner ab einem Alter von 13 Jahren erhalten Implantate, mit denen man mehr in der Umwelt wahrnimmt, als mit dem bloßen Auge. Zum einen wird alles dadurch bunter, zum anderen kann man Punkte sammeln. So sieht man über Pflanzen den Wert +1. Diesen Punktewert erhält man, wenn man die Pflanze gießt. Derjenige mit dem höchsten Punktewert ist der Präsident. So lange June in Antarctica ist, sieht es so aus, dass man Punkte für moralisches, freundliches Verhalten zum Wohle aller erhält, aber auch June fragt sich, wer hier die Regeln aufstellt.
Generell fand ich die Idee interessant – eine solche Zukunft hätte ich mir nie ausdenken können, aber nachdem ich sie nun beschrieben gesehen habe, finde ich sie gar nicht so absurd.

Die Enticklung der Charaktere von Day und June wird ohne Bruch zu den vorherigen Büchern fortgesetzt. June wird weicher, weniger kalkulierend, aber trotz allem werden viele Gefühle auch hier nicht beschrieben, sondern privat gehalten. Man kann es sich denken. Daher ist die Liebesgeschichte der zwei eine komplett unkitschige Sache.
Und dann gibt es immer noch das kleine Problem, dass June doch irgendwie für den Tod von Days Familie verantwortlich ist und das holt ihn doch noch ein.

Wunderbarer Abschluss einer wirklich interessanten Trilogie mit einem anderen Blickwinkel auf Dinge und etwas anderen Ideen. Und selbst der Schluss des Buches ist passend – auch wenn ich zu Anfang gedacht habe, dass der Epilog nicht nötig gewesen wäre. Auf der anderen Seite wäre es dann wirklich ein absolut antiklimatisches Ende gewesen und der Epilog rundet alles etwas besser ab.

Hier noch einige Extras zu den Büchern:

Playlists zu Band 1 und 2 von Marie Lu.

Buchtrailer von Loewe zu Legend 1.

Buchtrailer für Prodigy – viel besser als vom Verlag!

Buchtrailer für Legend & Prodigy von Penguin Books.

Der ziemlich lahme Buchtrailer zu Champion (Legend 3).

Mehr Infos zu den englischen Büchern.

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